Flipper → Williams

Williams · 1980

Blackout

Blackout, Backglas

Der Williams Blackout ist ein echter Klassiker der flipperbegeisterten Ära der frühen 1980er-Jahre. Erschienen im Juni 1980, steht dieses Modell für die rasante technologische Entwicklung, mit der Williams Electronics damals die Spielhallen revolutionierte.

Der Blackout ging in die Flippergeschichte ein als das erste Williams-Modell mit prozessorgesteuerter Allgemeinbeleuchtung (General Illumination / G.I. Relay). Kurz zuvor hatte Stern Electronics mit dem Galaxy ein ähnliches Feature gezeigt, doch Williams perfektionierte die Inszenierung für das Spieldesign:

Das Hauptziel des Spiels ist es, den namensgebenden “Blackout” auszulösen. Dazu müssen drei Target-Bänke komplett abgeräumt bzw. getroffen werden (5 grüne Standup-Targets links, 3 rote Drop-Targets in der Mitte und 3 orange Drop-Targets oben rechts). Gelingt dies, leuchtet das blaue Blackout-Licht.

Schießt man die Kugel nun in das rechte Kick-Out-Hole (Saucer), schaltet das verbaute Relais schlagartig die komplette Beleuchtung des Flippers ab – inklusive der Münztür-Beleuchtung. Für den Spieler wirkte es im ersten Moment so, als sei mitten im hitzigen Spiel der Stecker gezogen worden, bevor der Flipper mit einer spektakulären Licht- und Soundsequenz die Bonuspunkte feierte.

Design, Sound & Sprache
Das Spieldesign stammt von Claude Fernandez. Die auffällige, futuristische Grafik im damals extrem populären Space-Fantasy-Stil wurde von Constantino und Jeanine Mitchell entworfen. Das ursprüngliche visuelle Konzept basierte auf Ideen des bekannten Künstlers Ed Paschke.

Erst ein halbes Jahr zuvor hatte Williams mit dem Flipper Gorgar der Flipperwelt das Sprechen beigebracht. Der Blackout war bereits das dritte Williams-Gerät, das eine separate Sprachplatine besaß. Die Software sowie die Sound- und Sprachausgabe (darunter markante französische Sprachprozessierung) wurden von Paul Dussault entwickelt.

Das Gerät verfügt über einen kontinuierlichen, synthetischen Hintergrundton, der sich im Laufe des Spiels beschleunigt und so die Spannung für den Spieler spürbar anhebt.

Obwohl der Blackout im Juni 1980 auf den Markt kam – also nach dem bahnbrechenden Welthit Firepower (Februar 1980) –, verrät die Technik eine andere Geschichte:

Die interne Seriennummer von Blackout ist niedriger als die von Firepower.
Auch die verwendeten Sprach-ROMs basieren auf einem älteren Entwicklungsstand.

Blackout war eigentlich schon vor Firepower weitgehend fertiggestellt. Als das Williams-Management jedoch erkannte, welch gigantisches Potenzial Firepower mit seinem neuartigen Multiball-Modus besaß, wurde Blackout kurzerhand “auf Eis gelegt”. Man wollte dem eigenen Megahit nicht die Show stehlen. Erst als der ärgste Hype um Firepower abflachte, holte man Blackout aus der Schublade und schickte ihn in Produktion. Dadurch wirkt Blackout für Puristen wie ein faszinierender technologischer Zwischenschritt (ein extrem schnelles “Single-Ball”-Spiel, das aber schon die modernere Soundkulisse nutzt).

Das visuelle Design der Backglass-Scheibe hat eine spektakuläre Kunst-Historie. Entworfen wurde das ursprüngliche Konzept von keinem Geringeren als Ed Paschke. Paschke war ein weltbekannter US-Künstler der Pop-Art-Bewegung (“Chicago Imagists”) und Professor am Art Institute of Chicago.
Sein damaliger Student und Mitarbeiter bei Williams, Constantino Mitchell, brachte den Meister dazu, Entwürfe für den Flipper zu zeichnen. Doch das obere Williams-Management war schockiert vom extrem exzentrischen, psychedelischen Stil des Kunstprofessors. Sie lehnten Paschkes Entwurf als “nicht kommerziell genug” ab und wiesen Mitchell an, das Design in einem massentauglicheren Comic-Stil komplett neu zu zeichnen. Wer heute genau hinsieht, erkennt im finalen Backglass dennoch die psychedelischen Einflüsse und die markante Farbpalette von Ed Paschke. Das Motiv ist zudem eine direkte visuelle Hommage an das Cover der berühmten Marvel-Comic-Ausgabe von Nick Fury, Agent of S.H.I.E.L.D.

Williams bewarb den Flipper stolz mit der Innovation, dass der Computer die Allgemeinbeleuchtung komplett abschalten kann. In der Entwickler-Szene der damaligen Zeit sorgte das jedoch für hochgezogene Augenbrauen. Der Konkurrent Stern Electronics hatte nur wenige Monate zuvor mit dem Flipper Galaxy exakt dieselbe Idee ausprobiert.
Williams-Entwickler sahen das Gerät auf einer Messe, erkannten das atmosphärische Potenzial und bauten blitzschnell ein mechanisches Relais (das sogenannte G.I. Relay) in den Boden der Kopfbox des Blackout ein. Während Stern den Effekt eher dezent für Blitzeffekte nutzte, machte Williams ihn zum dramatischen Höhepunkt des gesamten Spieldesigns (“Condition Green -> Yellow -> Red -> Blackout!”).

Für Automatenaufsteller brachte Blackout eine unscheinbare, aber historisch wichtige Änderung beim Gehäusedesign. Bis zu diesem Modell wurden die schweren Kopfteile (Backbox) aller Williams-Solid-State-Flipper standardmäßig mit vier massiven Schrauben am Unterteil (Cabinet) fixiert.
Mitten in der Produktion von Blackout setzte das Management rigorose Sparmaßnahmen durch. Ab diesem Zeitpunkt wurden nur noch zwei Schrauben ausgeliefert. Das Kuriose: Die Fabrikationsmaschinen liefen so schnell, dass die Halterungen aus Stahl immer noch für vier Löcher gestanzt wurden – zwei davon blieben ab Sommer 1980 einfach für immer leer. Flipper-Restauratoren erkennen heute an den ungenutzten Löchern sofort, ob ein Gehäuse aus der frühen oder späten Phase der System-6-Ära stammt.

Der Sound-Programmierer Paul Dussault nutzte beim Blackout einen psychologischen Trick. Der synthetische Hintergrundton (“Heartbeat”) passt sich dynamisch dem Spielverlauf an. Bringt man die Kugel in die Spinner (die rotierenden Kunststoffplättchen auf dem Spielfeld), fängt der Ton augenblicklich an, rasant hochzufahren und schneller zu pulsieren. Das erzeugte in den lauten Spielhallen der 80er-Jahre eine enorme künstliche Hektik, die Spieler nachweislich dazu brachte, unüberlegte, riskante Schüsse zu machen – ein genialer Trick, um die durchschnittliche Spielzeit pro Münze zu senken.

Blackout, Backglas
Backglas · Zoom
Blackout, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Blackout, Maschine
Maschine · Zoom